[Amtlicher Beitrag] Sechs Stolpersteine in der Stadt verlegt
In Mühldorf sind erstmals Stolpersteine verlegt worden, die an das Schicksal verfolgter jüdischer Menschen während des Nationalsozialismus erinnern. „Wir leben in Zeiten, in denen viele Jüdinnen und Juden deutschland- und europaweit nicht mehr ohne permanente Schutzmaßnahmen leben können“, sagt Bürgermeisterin Claudia Hungerhuber. „81 Jahre nach dem Holocaust ist das ein schändlicher Zustand. Während anderswo Stolperstein-Verlegungen abgeblasen werden, steht Mühldorf zum Gedenken an die Verbrechen der Nazi-Zeit und zu seiner historischen Verantwortung. Ich freue mich, dass wir das im Sinne der Nachkommen seinerzeit Verfolgter dokumentieren konnten. Herzlichen Dank an alle an der Veranstaltung Beteiligten – von den Schülern und Lehrern des Ruperti-Gymnasiums über unseren Stadtarchivar Edwin Hamberger bis hin zu den anwesenden Vertretern des Stadtrats.“
Stellvertretend für den Künstler Gunter Demnig verlegte Frank-Matthias Mann im Beisein von rund 200 Bürgerinnen und Bürgern sechs Steine vor den einstigen Wohnorten jüdischer Opfer der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik: vor Stadtplatz 58 im Gedenken an das Ehepaar Michaelis, vor der Friedrich-Ebert-Straße 16 in Gedenken an Siegfried Hellmann, vor der Inneren Neumarkter Straße 14 in Gedenken an Josef Hermann Liebenstein und vor der Bräugasse 44 in Gedenken an das Ehepaar Baur. Zur feierlichen Verlegung kamen unter anderem die stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag, Zweiter Bürgermeister Stefan Lasner und Dritte Bürgermeisterin Kathrin Enzinger. Für die würdevolle musikalische Untermalung sorgte die Gruppe „De Bavarian Immigrants“.
Eine Enkelin des Ehepaars Baur kam eigens zur Zeremonie aus Norddeutschland nach Mühldorf. Vor der Bräugasse 14 berichtete sie anschaulich über das Schicksal ihrer Großeltern und die daraus resultierende Belastung für die Nachkommen. Bürgermeisterin Hungerhuber verlas außerdem ein Statement von Katie und Jamie Farquhar, in Großbritannien lebender Urenkel von Siegfried Hellmann. Darin heißt es: „Auch wenn wir aus Angst heute nicht bei euch sein können, werden wir nicht zulassen, dass die Angst das letzte Wort hat. Danke, dass ihr an Siegfried und die Familie Hellmann denkt und danke an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben.“
An jeder Stolperstein-Station präsentierten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Ruperti-Gymnasiums eigene Beiträge. Sie hatten sich für die Gedenkveranstaltung intensiv mit den Biographien der jüdischen Opfer beschäftigt. An ihren einstigen Wohnorten setzen die Stolpersteine künftig einen klaren Akzent gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung in jeglicher Form.
Foto: Heiner Heine




